Rätsel-Formen für den Sprachunterricht

Eine nette Abwechslung für den Unterricht ist dann und wann mal ein Rätsel. Aber das gute alte Kreuzworträtsel wird schnell langweilig. Hier einmal ein paar Ideen für alle, die wie ich gerne ihre eigenen Rätsel zusammenbauen. Ich möchte mich hier auf Rätselformen beschränken, die man selbst (ggf. mit einem kostenlosen Generator aus dem Internet) leicht „nachbasteln“ kann. Wer mehr möchte, kann sich auf der Seite raetselstunde.com weitere Anregungen holen.

1. Kreuzworträtsel / Crossword puzzles

Kreuzworträtsel kennen wir natürlich alle: Ein Begriff muss anhand eines Synonyms (bzw. deutscher Übersetzung), einer Erklärung oder eines Bildes erraten werden. Mittlerweile kann sie jeder im Internet erstellen (z.B. auf puzzle-maker.com). Ein Beispiel zum Thema „Haustiere“ (5. Klasse):

kreuzworträtsel

Across: 1 It eats mice. 4 It has big ears. 6 It’s an animal you keep in your house. 8 It likes cheese.
Down: 2 I like the Teenage Mutant Ninja … 3 It lives in the water. 5 It can fly. 7 It doesn’t like cats.

Kleinrätsel: Von Kreuzworträtseln lassen sich zur Abwechslung ein paar kleinere Varianten erstellen. Hier werden die Begriffe alle nur durch ein Lösungswort verbunden. Hier ein Kleinrätsel zum Thema „zählen“.

Mini-Kreuzworträtsel

Kleinrätsel gibt es in allen erdenklichen kreativen Formen und Gestalten (z.B. „Eieruhrrätsel“, „Pyramidenrätsel“, „Dartspiel“, und so weiter).

Die Vokalsuche: Ein Kreuzworträtsel, bei dem es keine Hinweise gibt, dafür sind aber schon alle Konsonanten eingetragen. Natürlich kann man auch beliebige andere Buchstaben weglassen.

Das Brückenrätsel: Drei Spalten. Links steht ein Wort. In der Mitte muss der Spieler ein Wort einfügen. Rechts ist wieder ein Wort vorgegeben. Das Wort in der Mitte stellt nun die „Brücke“ zwischen den beiden Begriffen dar: Bei „surf“ und „game“ wäre ein mögliches Brückenwort „board“ (surfboard, boardgame). Auch hier kann man wieder ein Lösungswort anlegen.

Brückenrätsel

2. Silbenrätsel / Word puzzle

Beim Silbenrätsel ist eine Anzahl von Silben vorgegeben, aus denen neue Wörter gebildet werden müssen. Oft ergibt sich aus Buchstaben der Einzelwörter noch ein Lösungswort. Ein Beispiel zum Thema „Schule und Lernen“:

silbenrätsel

Spielereien wie Silbenrauten und Silben im Achteck machen optisch etwas mehr her, sind dafür aber ungleich schwerer zu erstellen.

3. Anagramme / Buchstabensalat

Vertauschte Buchstaben: epapl = apple. Dieses Spiel kann man für fortgeschrittene Spieler komplizierter machen, indem man das gesplittete Wort auch noch aufteilt.

Beispiel: In diesem Puzzle sind drei Wassertiere versteckt. Um sie zu finden, muss man die zwei Spalten verbinden. Unser erstes Tier wäre SHR + KA = SHARK.

SHR          AE
HLW         KA
ERO          TT

4. Buchstabenrätsel

Die Wortsuche: Ein Raster mit Buchstaben, in dem Wörter versteckt sind. Die Wörter können vertikal, horizontal, schräg und sogar rückwärts angeordnet sein. Hier eine Wortsuche zum Thema „Familienmitglieder“:

P G R A N D M A S T
C O U S I N R U O M
K F U R E B S N A A
C A E F C L I T P J
G T L S E D S Q N Z
X H T M M O T H E R
D E V E P C E M B O
B R O T H E R H O K
H F W N E P H E W Y
J I U N C L E G N I

Die Wortschlange: Die popelige Version der Wortsuche. Hier ein Beispiel, in dem drei Farbwörter versteckt sind: jklbluefjkljklredkoaxfklblackoms.

Die Buchstaben-Kollektion: Man zeichne ein Acht- oder Sechseck (oder prinzipiell jede beliebige Form). In jedes Achtel (bzw. Sechstel) kommen drei Buchstaben. Man muss je einen aus jedem Feld wählen, um ein Wort zu bilden. In dieser Kollektion zum Thema „fruit salad“ sind sogar drei Wörter versteckt. Ich sag mal nicht, welche.

Buchstaben-Kollektion

5. Buchstabenrätsel mit Zahlen

Einfache Variante: Hier steht jede Zahl für einen Buchstaben (z.B. A = 1, B = 2, C = 3 …). Dazu gibt es noch mehr oder weniger deutliche Hinweise.

1 A huge, gray animal native to India and Africa: 5   12   5   16   8   1   14   20
2 An animal native to Australia: 11   1   14   7   1   18   15   15

Schwierigere Variante: Hier steht eine Zahl für mehrere Buchstaben – so wie früher, als man noch auf der Handytastatur SMS getippt hat. Zum Beispiel: 1 = ABC, 2 = DEF 3 = GHI…

6. Ankreuz-Rätsel mit Lösungswort

Lehrers Liebling. Im Prinzip nur eine Multiple-Choice-Aufgabe, bei der ein Lösungswort herauskommt.

Ankreuz-Rätsel

7. Wort-Irrgarten (Word maze)

Bei einem sogenannten word maze hat man ein mit Wörtern gefülltes Raster vorliegen. Man beginnt nun in der oberen linken Ecke und muss im „Irrgarten“ einen Weg bis zur rechten unteren Ecke finden. Dabei darf man nur Felder betreten, die eine bestimmte Art von Wort enthalten (z.B. Wörter aus einem Wortfeld (Familie, Tiere …), Wörter mit ähnlicher Aussprache, usw.). Man darf sich nur auf angrenzende Felder bewegen. Hier ein Irrgarten zum Thema „Verben der Bewegung“:

word maze

Ein Beispiel zum Aussprachetraining gibt es auf der Webseite busyteachers.com. Man könnte sich auch gut eine Variation dieses Rätsels mit dem bekannten Rösselsprungrätsel (-> Wikipedia) vorstellen, um es ein wenig interessanter zu machen.

8. Logic Puzzle / „Logical“

Gute Leseverstehensübungen sind die sogenannten „Logic Puzzles“. Hier einmal ein ganz simples Exemplar:

It’s the weekend. Janet and her friends want to go out. The girls visit different places: One goes to the zoo, one goes to the museum, one goes to the swimming pool and one goes to the restaurant. Read the clues and find out where the four friends spend their afternoon.

CLUE 1 Janet likes animals.
CLUE 2 Debbie isn’t hungry.
CLUE 3 Lily loves sports.

zoo museum pool restaurant
Janet
Jenny
Debbie
Lily

Dieses einfache Beispiel zeigt jedoch schon, warum man mit diesen Rätseln gut das detaillierte Lesen üben kann: Man muss wichtige von unwichtiger Information trennen (dass es Wochenende ist, ist für die Aufgabe nicht relevant), Weltwissen mit einbeziehen (in einem Zoo gibt es Tiere) und Verbindungen zwischen unterschiedlich formulierten Informationen finden (Schwimmen ist ein Sport; wenn man hungrig ist, geht man ins Restaurant).

Logic Puzzles kann man gut selber erfinden, wenn man so etwas gerne macht – ansonsten findet man sie auch im Netz. Natürlich gibt es auch viel kompliziertere Logic Puzzles mit mehr Kategorien, die auch eifrige Tüftler ins Grübeln bringen – wie dieses Logical von raetselstunde.com.

An dieser Stelle möchte ich euch noch ein ganz besonderes Logic Puzzle empfehlen, das man auf der Webseite des Senders PBS online spielen kann: Disease Detective. Hier muss der Spieler durch Ausschlussverfahren herausbekommen, wo die Quelle einer ansteckenden Erkrankung liegt.

9. Rätselkrimi / Mystery

„Mystery brain teasers“ oder „puzzle mysteries“ sind kurze Geschichten, bei denen der Leser selbst die Lösung erraten muss. Sie können ebenfalls gute Leseverstehensübungen sein, denn oft muss der Leser kleine Unstimmigkeiten im Text entdecken. Man lernt dabei, gezielt nach Details zu suchen.

Auch puzzle mysteries finden sich zuhauf im Netz. Wenn man jedoch einen solchen Rätselkrimi in der Nachhilfe benutzen will, sollte man den entsprechenden Text vorher gründlich prüfen, ob die Aufgabe auch dem Zweck dient, das Leseverstehen zu schulen – d.h. die Lösung darf nicht zu schwer und muss dem Text zu entnehmen sein.

10. Bilderrätsel

Hier müssen Bildern die richtigen Begriffe zugeordnet werden. Ein (oder mehrere) beliebiger Buchstabe wird nun aus jedem Bild entnommen. Daraus formt man dann ein Lösungswort.

Welche Kreatur verstecken diese Tiere wohl in ihren Anfangsbuchstaben?

Bilderrätsel

11. Domino

Bei diesem Quiz müssen „Domino-Steine“ in der richtigen Reihenfolge miteinander verbunden werden. Wenn man alles richtig gemacht hat, kommt man am Ende wieder beim Anfangsstein heraus. Optional kann man auch noch ein Lösungswort angeben.

Domino-Quiz

12. Hidden Object Games

Mit „Wimmelbildern“ lässt sich gut altes Vokabular wiederholen. Man kann diese Bilder (mit etwas Zeitaufwand) auch selbst machen. Dazu braucht man nur eine Grafikbearbeitungssoftware,  die die Arbeit mit mehreren Ebenen zulässt, oder einfach PowerPoint (mein Werkzeug der Wahl). Man zeichnet einen simplen „Raum“ – z.B. drei Striche, um Fußboden und zwei Wände anzudeuten – und füllt diesen mit Cliparts. Die findet man kostenlos z.B. auf openclipart.org. Ein Beispiel:

Find the item that’s not in the picture! Alle diese Gegenstände finden sich im unten stehenden Bild – bis auf einen. Streiche alle Objekte durch, die du entdeckt hast, und finde den “blinden Passagier”!

watering can – piggy bank – poster – green apple – chicken – books – scissors – water bottle – basketball – radiator – rabbit – violin – dollar bills – cookie – potato chips – chair – rubber – pencil sharpener – frog – fish bowl – rubber boot – camera – turtle – cooking pot – cardboard box – green sweater – laptop – calendar – letter – postcards – toy car – window – bonsai tree – bag – trousers – egg – torch – socks – Swiss army knife – toy pirate boat – magician’s hat – chess piece – cucumber – shoe – map – TV – watch – fruit bowl – alarm clock – wallet – lamp – glass of orange juice – scarf – toy train – dog – towel –keys – matchbox – clock – baseball cap – carrot – jacket– umbrella – two mice – bin – umbrella – rubber duck– glue tube – cup of coffee – desk – pen cup – stapler  – candle – flower pot – maple leaf – light switch – paper plane – socks – football – suitcase – cabinet – spider

Hidden Object Game

Meine liebsten Etymologien im Englischen

Ich bin ein großer Fan von Etymologien. Hier einmal zwölf ausgewählte Beispiele.

  1. vaccine (Impfung)

Kommt vom Lateinischen vacca, die Kuh. Die ersten Impfungen wurden 1789 von Edward Jenner (nicht zu verwechseln mit Edwin Jenner aus The Walking Dead) durchgeführt. Er infizierte einen achtjährigen Jungen mit den (vergleichsweise harmlosen) Kuhpocken und setzte ihn anschließend den echten, tödlichen Pocken aus (nett, nicht wahr?). Der Junge erkrankte jedoch nicht, weil er durch die Kuhpocken bereits die notwendigen Antikörper gebildet hatte.

2. quarantine (Quarantäne)

Kommt von dem italienischen Wort quaranta, 40. Im Jahre 1377 erließ die Regierung der Republik Ragusa (Kroatien) ein Gesetz, um sich vor der damals wütenden Pest zu schützen: Reisende mussten vierzig Tage lang in Lazaretten bleiben, um zu sehen, ob sie Symptome der Krankheit entwickelten. Erst danach durften sie in die Stadt.

3. consider (überlegen, erwägen)

Enthält das lateinische Wort sidus – Stern. „Con-siderare“ bedeutet eigentlich „die Sterne betrachten“.

4. nightmare (Albtraum) 

Zusammengesetzt aus night (Nacht) und mare (ein nachtaktiver Kobold). Der „mare“ – auch als Incubus bekannt – setzt sich Schlafenden auf die Brust; daher das bedrückende Gefühl, wenn man einen Albtraum hat. Im Deutschen übrigens dasselbe: Der „Alb“ ist nichts anderes als ein bösartiger „Elf“, der nachts sein Unwesen treibt – deshalb heißt der Elfen- bzw. Zwergenkönigs aus der Nibelungensage auch „Alberich“.

Gemälde von Johann Heinrich Füssli: Nachtmahr
Johann Heinrich Füssli, „Nachtmahr“, um 1781.

5. clue (Hinweis, Anhaltspunkt, Schlüssel)

Dieses Wort kennen sicherlich alle aus dem Spiel „Cluedo“. Die Etymologie ist interessant: Ursprünglich ist es eine Variante des Wortes clew, welches „Garnknäuel“ bedeutet. Die Bedeutung „Hinweis“ ist eine Anlehnung an den Mythos von Theseus, der mithilfe des Ariadnefadens den Weg aus dem Labyrinth fand.

6. lady (Dame)

Kommt von dem Altenglischen hlǣfdige (loaf-kneader) – also die Person im Haushalt, die das Brot macht.

7. daisy (Gänseblümchen)

Eine Kontraktion von day’s eye – die Blätter des Gänseblümchens öffnen sich bei Tage und schließen sich in der Nacht.

8. Yucatan (die mexikanische Halbinsel)

Beruht angeblich auf einem Missverständnis: Als die spanischen Eroberer dort ankamen und die Einheimischen fragten, wie der Ort denn heiße, antworteten sie etwas, was wie „Yucatan“ klang und in ihrer Sprache „Ich verstehe nicht, was du sagst“ bedeutet. (Aus einem solchen Missverständnis (hier zwischen Deutschen und Franzosen) entstanden ist übrigens angeblich auch der französische Begriff für ein Oberlichtfenster: le vasistas – von „Was ist das?“)

Einer anderen Deutung nach kommt das Wort aus der aztekischen Sprache Nahuatl und bedeutet „reicher Ort“.

9. to decimate (dezimieren)

Vom lateinischen decimare, das sich wiederum von decimus (der zehnte) ableiten lässt. Stammt von der Praxis, bei meuternden Armeen als Kollektivstrafe jeden zehnten Mann zu töten.

10. gym (Fitnessstudio oder Sporthalle)

Giggles incoming: Eigentlich derselbe Begriff wie unser deutsches Gymnasium. Vom griechischen gymnos, was nackt bedeutet. Das γυμνάσιον war der Ort, wo man nackt Sport trieb. 

11. humor (Humor)

Bedeutet eigentlich „Flüssigkeit“ (von lat. umor). Er wurde auch für die vier Körperflüssigkeiten (Schleim, Blut, gelbe und schwarze Galle) verwendet, die nach der Vier-Säfte-Lehre den Charakter eines Menschen beeinflussen (phlegmatisch, sanguinisch, cholerisch und melancholisch). Von dieser Interpretation als „Stimmung“ oder „Laune“ nahm das Wort dann schließlich seine heutige Bedeutung an.

12. assassin (Assassine / Auftragsmörder)

Diese Etymologie ist umstritten. Der Begriff kommt angeblich vom arabischen Wort hashishiyyin – Haschischnutzer. Damit gemeint war eine Verbindung politischer Attentäter, die vom 8.-14. Jahrhundert im Iran tätig waren. Ihre Angriffe richteten sich unter anderem gegen christliche Kreuzfahrer und sollen unter dem Einfluss von Haschisch begangen worden sein.

Freies Schreiben in der Nachhilfe üben

Hier möchte ich einmal erzählen, wie ich beim Üben der Textproduktion in der Nachhilfe vorgehe. Hier gibt es natürlich große Unterschiede, je nachdem, in welcher Klasse oder Schulform ein Schüler ist, aber im Prinzip folge ich meistens den folgenden zwölf Punkten.

SCHRITT 1: Selbsteinschätzung Zuerst frage ich die Schülerin, warum sie ihrer Meinung nach wenig Punkte auf ihre Textproduktion bekommt. Dieser Schritt ist wichtig, weil viele Schüler ihr Problem – trotz mittlerweile transparenterer Bewertung – nicht richtig einschätzen.

Beispiel: Eine Schülerin geht davon aus, dass sie die schlechten Noten für sprachliche Mängel (falsche Vokabeln, Grammatikfehler) bekommt. Sie reagiert darauf, indem sie immer „auf Nummer Sicher“ geht, komplexe Strukturen vermeidet und nur Vokabeln gebraucht, bei denen sie sich ganz sicher ist. In Wirklichkeit gefiel ihrem Lehrer jedoch ihr Stil nicht. Die Strategie der Schülerin hat also das Problem noch verschärft, nicht behoben.

Umgekehrt ist manchmal auch die Analyse des Lehrers, wo denn das Problem eines Schülers liegt, falsch. Ein plakatives „Du musst Vokabeln lernen“ als Anmerkung unter einem wenig abwechslungsreichen Text geht möglicherweise am Kern der Sache vorbei: Vielleicht verfügt der Schüler über das nötige Vokabular, kann es aber nicht einsetzen, weil er auch schon in der Muttersprache Schwierigkeiten mit dem Ausdruck hat.

SCHRITT 2: Ich gehe gemeinsam mit der Schülerin ihre Klassenarbeiten und Hausaufgaben durch. An den Anmerkungen des Lehrers / der Lehrerin kann man sehen, worauf er oder sie in der Textproduktion Wert legt. Hat die Schülerin Abzug für grammatische Fehler bekommen? Oder lagen die Schwierigkeiten eher im inhaltlichen oder stilistischen Bereich? So kann man sich gleichzeitig mit der Art der Aufgaben vertraut zu machen, die in der nächsten Arbeit zu erwarten sind.

SCHRITT 3: Ich analysiere mit der Schülerin zusammen die Aufgabenstellung. Hier passieren öfters Fehler, als man meinen sollte. Beispiele:
1. Einer meiner Schüler bekam die Aufgabe „to discuss the advantages and disadvantages of using mobile phones in school“, kannte aber das Wort (dis-)advantage nicht. Also schrieb er einen Text darüber, wie der Gebrauch von Mobiltelefonen in seiner Schule gehandhabt wurde.
2. Ein anderer Schüler versteht zwar alle Wörter im Arbeitsauftrag, beantwortet die gestellte Frage allerdings aus irgendeinem Grund trotzdem nicht. (Es ist wie mit den strandenden Walen. Keiner kann es sich erklären.) Möglicherweise schreibt er stattdessen einen leidenschaftlichen Aufsatz über die schädlichen Auswirkungen der Mobiltelefonsucht unter Elfjährigen, weil er der Meinung ist, dass Lehrer so etwas hören wollen. Vielleicht wurde eine solche Frage auch zuvor im Unterricht diskutiert oder er hat zufällig am Vorabend eine Dokumentation über das Thema gesehen – und diese Information blockiert dann irgendwie die Fähigkeit, auf die eigentliche Fragestellung einzugehen.

TIPP 1: Wenn man dieses Problem bei einer Schülerin bemerkt, kann man ihr „Thema verfehlt“-Aufsätze zu geben und sie bitten, dem Verfasser eine Note zu geben.

TIPP 2: Man kann auch erst einmal viele verschiedene Arbeitsaufträge mitbringen („Describe the development of …“, „Give examples of …“). In einem ersten Schritt lässt man sie ins Deutsche übersetzen. Danach kann man gemeinsam überlegen, was der Lehrer wohl in einer Antwort zu der Frage erwartet – und was nicht.

SCHRITT 4: Überlegen – Was brauche ich, um die Aufgabe zu beantworten? Erst besprechen wir die Frage, welches inhaltliche Wissen die Schülerin benötigt. (Einigen Schülern ist z.B. nicht klar, dass sie, wenn sie beispielsweise nach einer „eigenen Meinung“ zu einem Thema gefragt werden, diese auch mit im Unterricht gelernten Fakten verbinden müssen.)

Abgesehen vom Inhalt benötigt man natürlich auch Vokabeln: Hier kann man z.B. eine Liste mit sinnvollen Redemitteln oder ein Mindmap mit zentralen Begriffen anlegen.

Auch Wissen zum Aufbau des gewünschten Textes (wie beginnt und endet ein Brief? Wie ordnet man die Argumente in einer Erörterung an?) kann man gut vor dem Schreiben noch einmal verdeutlichen und in einer Übersicht sammeln.

SCHRITT 5: Ideen sammeln. Nachdem die Aufgabe entschlüsselt worden ist, wird erst einmal per Brainstorming überlegt, was man dazu sagen könnte. Bei jeder Idee sollte man sich fragen, was sie zum Gesamttext – der Aussage, zu der ich hingelangen will – beiträgt. Wenn sie nichts beiträgt, kommt sie weg.

SCHRITT 6: Planen. Die Schülerin bereitet eine „Outline“ für den Aufsatz vor. Auch hier heißt es wieder, das eigene Werk kritisch zu begutachten: Ist die Gliederung für einen Außenstehenden verständlich? Kommt am Ende das heraus, was ich sagen will?

SCHRITT 7: Schreiben. Hier arbeitet die Schülerin alleine. Ich finde es sinnvoll, die Benutzung eines Wörterbuchs oder Internets zu erlauben – nur so kann man ja neue Vokabeln erlernen, und auch der Umgang mit diesen Hilfsmitteln will geübt sein. Vor der Arbeit üben wir aber trotzdem auch unter Klausurbedingungen (d.h. zum Beispiel nur mit einsprachigem Wörterbuch).

SCHRITT 8: Selbstständige Korrektur. Die Schülerin liest ihren Text selbst noch einmal und untersucht ihn (evtl. mit einer Liste „häufiger Fehler“) auf Probleme.

SCHRITT 9: Inhaltliche und strukturelle Korrektur. Wenn der Nachhilfelehrer schon über die Planung geschaut hat, sollte hier eigentlich nicht mehr viel im Argen liegen. Wenn doch, hat dieses Problem natürlich Priorität. Ich unterstreiche die entsprechenden Stellen und lasse die Schülerin selbst überlegen, was damit nicht stimmen könnte.

SCHRITT 10: Sprachliche Korrektur. Auch Satzbau-, Verbbildungs- oder Präpositionsfehler markiere ich zunächst einmal markieren und helfe erst , wenn die Schülerin sie nicht selbstständig verbessern kann.

SCHRITT 11: Stilistische Korrektur. Das ist der kniffligste Teil, denn die Meinungen über „guten Stil“ gehen bekanntlich weit auseinander. Worauf ich besonders achte:

  • Sind alle Sätze klar verständlich?
  • Gibt es ein Gleichgewicht von (nicht zu) kurzen und (nicht zu) langen Sätzen?
  • Werden die Sätze sinnvoll und abwechslungsreich mit Konjunktionen und anderen Link words verknüpft?
  • Ist das Vokabular möglichst präzise?
    • Das bedeutet: Der Autor „says“ möglichst nicht, sondern „criticizes“, „implies“ oder „suggests“.
  • Ist das Vokabular in sinnvollem Maße abwechslungsreich?
    • Wie beim vorherigen Punkt. Viele Schüler scheinen zu glauben, dass man in einem Text kein Wort zweimal verwenden dürfe. Also schreiben sie statt „say“ solche Merkwürdigkeiten wie „quethe“. Der Grund, dass man nicht dauernd „say“ sagen soll, ist nur, dass andere Wörter wie „criticize“ oder „imply“ auf dem gleichen Raum mehr Information enthalten. Also um Gottes willen keinen Eiertanz um einfache Vokabeln, nur damit ja kein Wort wiederholt wird!
  • Ab ca. 9. Klasse (GY): Gibt es ab und zu komplexere Satzstrukturen? Dazu gehören:
    • Wechsel von verbalen (because it is cold) und nominalen (because of the cold) Phrasen
    • Partizipialkonstruktionen
      • „As he walks down the street, he sees a man.“ -> „Walking down the street, …“
    • zweiteilige Konnektoren (either … or, neither … nor, both … and …, not only … but)
    • Hervorhebungen, z.B. durch Inversion nach negatives:
      • Not only did he win the championship, he even …

SCHRITT 12: Festhalten der Fehler. Die Schülerin legt nun eine „Fehlerliste“ an, auf der sie Probleme aus ihrem Text aufschreibt, um sie in der Zukunft zu vermeiden. Diese Liste sollte bei der Korrektur zukünftiger Texte immer hinzugenommen werden.

Wenn man keine Zeit für alle zwölf Schritte hat oder etwas Abwechslung möchte, kann man natürlich immer auch Aufgaben zu einem Einzelschritt machen. Ein paar Ideen:

  • viele Modellaufsätze lesen und ihre Struktur untersuchen; nützliche Phrasen und grammatische Konstruktionen sammeln
  • Brainstormings – Ideen zu verschiedenen Themen sammeln und sinnvoll anordnen
  • Redemittel im Internet recherchieren, auf einer Liste festhalten, zuordnen, übersetzen …
  • Fehlersuche: Sätze mit grammatischen oder lexikalischen Fehlern untersuchen
  • selber Texte anderer Schüler (stilistisch, inhaltlich, strukturell) verbessern
  • viele verschiedene Arbeitsaufträge übersetzen und analysieren; eine Outline für eine mögliche Antwort anfertigen; von fertig geschriebenem Aufsatz die Fragestellung ableiten; „Thema verfehlt“-Aufsätze untersuchen
  • einmal ganz bewusst einen furchtbar schlechten Aufsatz schreiben und anschließend verbessern
  • Einsetzübungen zu Konnektoren und link words
  • Arbeit mit dem Wörterbuch trainieren

Noch ein letzer Tipp: Eine tolle Möglichkeit, auch ohne Lehrer das freie Schreiben zu trainieren, ist die Webseite lang-8.com. Hier tauschen Muttersprachler verschiedener Sprachen Korrekturen aus. Man schreibt einfach einen Text zu einem beliebigen Thema und erhält gewöhnlich innerhalb einiger Stunde eine Korrektur.