Vokabeln lernen: Tipps und Strategien

Vokabeln zu lernen ist ein zentraler Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts. Ohne Wortschatz funktioniert nichts – weder Leseverstehen noch Sprechen. Noch nicht einmal die so beliebten Grammatik-Einsetzübungen.

Das Problem: Man predigt den Schülern beständig, sie müssten „Vokabeln lernen“. Tun sie auch. Manchmal richtig lange. Und trotzdem sind die Dinger nach einer Woche wieder aus dem Gedächtnis verpufft oder bleiben erst gar nicht haften. Auch die Vokabeln abzuschreiben hilft keinesfalls jedem.

1. Die Einführung der neuen Vokabeln

Im Sprachunterricht lernen wir neue Vokabeln meistens in einem Text kennen. Das ist auch gut so, denn ohne einen sinnvollen Zusammenhang kann man sich Wörter viel schwieriger merken. Beispiel: Zwei Schülerinnen (nennen wir sie Lisa und Jasmin) sollen das Wort crowbar (Brecheisen) lernen.

Lisa sieht sich folgende Information im Schulbuch an und versucht sie sich einzuprägen:

crowbar (n)                                      das Brecheisen

Diese Information geht schnell im Gewimmel der zehn anderen Vokabeln unter, die Lisa noch lernen muss. Gut möglich wäre auch, dass sie sie mit einer anderen Vokabel durcheinanderbringt.

Jasmin liest hingegen diese Geschichte über den Ausbruch einer Zombieapokalypse:

„Run!“ yelled Tom. „They are coming!“ The men ran down the empty hallway. Behind them, the shambling steps of the undead were getting closer. Jeff could smell the horrible stench of their rotten flesh and hear their hungry groans.
Tom had reached the door at the end of the hallway. „Oh no,“ he gasped, „it’s locked! What are we going to do now?“
„Wait“, Jeff said, breathless. „Wait a second. Just a day ago, I opened this toolbox and there was a crowbar in it! Oh my God, I hope it’s not gone …“
Hastily he unlocked the box, and yes, there it was. The cold, heavy metal in his hand felt reassuring.
At that moment, he felt something grab his shoulder. It was icy, wet and slimy. Without thinking, Jeff grabbed the crowbar and hit the zombie on the head. The monster tumbled to the ground.

Mit großer Wahrscheinlichkeit kann sich Jasmin die Vokabel viel leichter merken als Lisa. Warum?

  • Wir lernen das Brecheisen in einem (naja, mehr oder weniger) realistischen Kontext kennen: Es befindet sich in einer toolbox, man kann es gebrauchen, um Türen aufzubrechen (oder Köpfe einzuschlagen). Ein Brecheisen ist eben in der echten Welt keine Kette aus sieben Buchstaben – sondern ein Werkzeug, das man anfasst und gebraucht.
  • Menschen lernen am besten mit allen Sinnen. In der Geschichte gibt es jede Menge Sinnesempfindungen – Gerüche, Geräusche, Berührung.
  • Besonders gut ist es, wenn man Gelerntes mit Emotionen verknüpfen kann. Auch davon gibt es in der nervenzerfetzenden Zombiegeschichte mehr als im Vokabelheft.

Welche Tipps können wir nun aus dieser kleinen Anekdote ziehen?

  • Lies dir den Text im Schulbuch mehrfach durch und achte dabei besonders auf die Vokabeln, die neu eingeführt werden.
    • TIPP Wenn du die Möglichkeit hast, eine Kopie zu machen, schwärze die zu lernenden Begriffe und versuche sie beim nächsten Lesen selbst richtig zu ergänzen.
  • Lies den Text nicht nur, sondern höre ihn auch – z.B. von der Schulbuch-CD, von einem Freund oder dir selbst vorgelesen.
    • TIPP Das kann man auch mit einem Bingo-Spiel verbinden. Schreibe dir die deutschen Übersetzungen auf ein Blatt Papier; hör dann den Text auf Englisch und streiche die Wörter durch, die du hörst.
  • Schreibe eine eigene Geschichte oder zumindest eigene Sätze, in denen du die neuen Vokabeln verwendest.
  • Der beste Tipp: Lies in deiner Freizeit möglichst oft englische Texte, die dir gefallen – seien es Bücher, Blogs oder Zeitungsartikel. Lege eine Liste mit Vokabeln an, die dir dabei begegnen und besonders wichtig vorkommen. (* Beim freien Lesen macht es keinen Sinn, jedes einzelne Wort nachzuschlagen – dabei geht jeder  Spaß an der Lektüre flöten. Aber einzelne Begriffe lohnt es sich doch, festzuhalten.)

2. Das Fixieren von Vokabeln 

Nachdem Jasmin ihre Vokabel crowbar mehrfach im Text gelesen hat, will sie sie auch dauerhaft lernen. Dazu schreibt sie sie auf eine persönliche Vokabelliste oder, noch besser, auf eine Vokabelkarte.

Eine Vokabelkartei besteht aus einem Karteikasten, Trennstreifen aus Pappe und Karteikärtchen. Mit diesem Bastelbogen könnt ihr euch einfach selber eine Lernkartei basteln.

Vokabelkartei

Aufbau einer Vokabelkartei

Was kommt nun auf diese Vokabelkarte?

  • natürlich die englische Vokabel auf der einen, die deutsche Übersetzung auf der anderen Seite,
  • wichtige Zusatzinformationen, die in deinem Buch angegeben sind: etwa ein unregelmäßige Plural (mouse, mice) oder die Stammformen eines unregelmäßigen Verbs (do, did, done),
  • bei einem Verb mit unregelmäßiger Aussprache die Lautschrift,
  • optional als Merkhilfe: ein Beispielsatz, eine Eselsbrücke oder eine Zeichnung.
Vokabelkärtchen

Beschriftung von Vokabel-Karteikärtchen

Wenn du eine neue Vokabel aufgeschrieben hast, kommt sie ins erste Fach ganz vorne. Diese Vokabeln sollten am besten täglich wiederholt werden – auch wenn es nur fünf oder zehn Minuten sind. Wenn du die Vokabel richtig gewusst hast, wandert sie ins zweite Fach. Diese Vokabeln kann man etwas seltener (ca. zwei bis drei Mal die Woche) wiederholen. Konntest du das Wort immer noch? – Dann kommt sie ins dritte Fach, das nur einmal in der Woche wiederholt wird. Hast du sie vergessen, so kommt sie wieder ins erste Fach.

Alternativ kann man mit einem Vokabeltrainer im Internet lernen – wie z.B. quizlet.

3. Das Einprägen von Vokabeln

Für manche Vokabeln wird das Lesen, Hören und Aufschreiben schon ausreichen, um sie zu lernen – um beispielsweise das Wort water zu lernen, dass dem deutschen Wasser sehr ähnlich ist.

Bei anderen Wörtern – wie etwa unserem crowbar – geht es leider nicht so einfach. Hier hilft eine Eselsbrücke. Nehmen wir an, du weißt schon, dass crow Krähe bedeutet. Hier kannst du dir nun folgende Szene vorstellen:

Ein Krähen-Hooligan (komplett mit Bomberjacke und Baseballschläger) geht mit seinen Kumpels in eine zwielichtige Bar. Dort gerät sie in eine wilde Prügelei, in der sie von einem Brecheisen auf dem Kopf getroffen wird.

crow at a bar with a crowbar

A crow with a crowbar at a bar. Selten war ich so stolz darauf, drei Cliparts zusammengefügt zu haben.

Wie oben bereits gesagt, sollte man sich eine solche Szene möglichst bildhaft und mit allen Sinnen vorstellen. Kalter Zigarettenrauch und der Geruch von verschüttetem Bier in der Luft, das grölende Krächzen unserer Fußballfans – mit all diesen Assoziationen kann man sich das Wort viel leichter merken.

Anfangs ist es nicht so leicht, selbst Eselsbrücken zu finden, und wird dir vielleicht seltsam vorkommen. Aber nach einer Weile wird es viel einfacher. Studien haben bewiesen, dass diese sogenannte „Schlüsselwort-Methode“ sehr viel effektiver ist als das stupide Abschreiben, das wir sonst gerne praktizieren.

4. Das Wiederholen von Vokabeln

Egal, wie viel Mühe man sich beim Aufschreiben und Einprägen der Vokabeln gibt – ohne regelmäßige Wiederholung war die ganze Anstrengung oft umsonst.

  • Unter 2. haben wir bereits gelesen, wie man mit einer Vokabelkartei lernt: Am besten täglich für 5-10 Minuten und mit regelmäßigen Wiederholungen.
  • Eine effektive Methode, alte Vokabeln zu wiederholen, sind Wortnetze: Sammle alle Vokabeln, die dir zu einem Thema einfallen, in einem Mindmap; schlage weitere dazu passende Wörter in einem Wörterbuch nach.

Wortnetz

  • Um sich Vokabeln jedoch wirklich auf Dauer einzuprägen, reicht Pauken allein jedoch oft nicht aus. Das Wichtigste ist, die Wörter so oft wie möglich zu gebrauchen – d.h. sie zu lesen, zu hören, zu schreiben und beim Sprechen zu benutzen.
  • Wenn du im Schulbuch beim Lesen eine unbekannte Vokabel antriffst, gehe (im Gegensatz zum Lesen in der Freizeit) nicht einfach darüber hinweg! Schreibe dir vergessene Vokabeln auf – auf Karteikarten, in ein Vokabelheft oder Lernprogramm – und wiederhole sie zusammen mit den neuen.
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Lerntipps, Nachhilfe - Didaktik und Methodik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Vokabeln lernen: Tipps und Strategien

  1. Pingback: Vokabelkartei zum Selbermachen: Bastelbogen | Englischtipps

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s