Spiele im Sprachunterricht 3: Freies Sprechen üben

1. Tabu: Wörter erklären

Der Klassiker, auf den ich hier nicht weiter eingehen möchte, da ich Tabu schon einmal vorgestellt habe. Hier noch ein Set mit sehr einfachen Tabu-Karten ab der sechsten Klasse: PDF.

2. Guess Who / Guess What: Personen oder Dinge beschreiben (PDF)
Niveau: Ab 5. Klasse
Vorbereitung: Arbeitsblätter mit möglichst witzigen Bildern von Personen, Dingen, kleinen Monstern … mitbringen 
Übt: Vokabeln (z.B. Körperteile), Redemittel, Fragen stellen, freies Sprechen
Zeit: 5-10 Minuten

Die Schüler erhalten identische Blätter mit Bildern verschiedener Personen oder Dinge darauf. Ein Schüler sucht sich ein Bild aus. Sein Partner muss mit möglichst wenigen Fragen herausfinden, um wen oder was es sich handelt. Hier ein Beispiel für ein Arbeitsblatt mit Personen:

“Is it a man / a woman?” – „Yes, it is. / No, it isn’t.“
“Does she wear glasses?” – „Yes, she does. / No, she doesn’t.“
“Does she have brown hair?”

Der Spieler, der am Ende insgesamt die wenigsten Fragen “verbraucht” hat, gewinnt. Wer eine falsche Person nennt, bekommt einen Punkt Abzug.

Ein paar Ideen, welche Vokabeln sich mit diesem Spieltyp üben lassen:
a) Aussehen von Personen: Einfach Fotos von Menschen mit verschiedenem Aussehen auf das Blatt drucken.
b) Körperteile: Bilder von kleinen „Monstern“ oder „Aliens“ im Internet suchen, die eine unterschiedliche Anzahl von Augen, Armen, Ohren … haben.
c) Landeskunde und Geschichte: Im Netz habe ich neulich einen Vorschlag für ein „Guess Who“ mit US-Präsidenten gesehen – auch eine interessante Variante.

3. Market Trader – Verbindung zwischen Gegenständen erraten 
Niveau: ab 6. Klasse
Vorbereitung: Keine
Übt: Konstruktion I can …, Wortschatz

Ein Schüler denkt sich eine Gruppe von Gegenständen aus, z.B.
– Gegenstände, die sich im Raum befinden,
– Gegenstände, die mit einem bestimmten Buchstaben beginnen,
– Gegenstände, die Strom zum Funktionieren brauchen …

Sein Spielpartner muss nun Fragen stellen, um herauszufinden, welche Gruppen von Gegenständen er verkauft.

Player 1: I’m a market trader and I can sell guitars.
Player 2: Yes, you can. / No, you can’t.

Das erste Set kann man vorgeben, um das Spiel etwas einfacher zu machen: „You can sell laptops, flashlights and hairdryers.“

4. BLIP – Tätigkeiten erraten 
Niveau: ab 6. Klasse
Vorbereitung: keine
Übt: freies Sprechen

Ein Spieler denkt sich eine Tätigkeit aus (z.B. „swim“, „drive“, „fly“). Die anderen müssen nun mit Fragen herausfinden, um welche Tätigkeit es sich handelt. Dabei werden die Verben durch „blip“ ersetzt. Beispiel:

Where / why / when / how do you usually blip?
Can you blip?
What do you need to blip?
Is it easy to blip?

5. What’s in the box? – Gegenstände erraten 
Niveau: ab 7. Klasse
Vorbereitung: Kisten mit kleinen Gegenständen besorgen
Übt: freies Sprechen, Vokabeln (Eigenschaften v. Gegenständen)

Jeder Schüler bekommt kleine Schachteln (z.B. große Streichholzschachtel) mit Gegenständen darin (ein Knopf, eine Münze, ein Radiergummi …). Nun müssen die anderen Gruppenmitglieder durch Fragen herausfinden, was sich in der Schachtel befindet (“Is it round? Is it made of metal? Do you use it at school?”).

6. Who am I? – Personenraten 
Niveau: ab 8. Klasse
Vorbereitung: keine
Übt: freies Sprechen, Fragen stellen

Die Schüler schreiben für ihren Sitznachbarn kleine Zettelchen mit den Namen berühmter Personen darauf, gerne auch Buch- oder Filmcharaktere (“Harry Potter”). Der Sitznachbar darf sein Schildchen nicht sehen. Nun muss er mit Ja-Nein-Fragen herausfinden, wer er ist. (“Am I a woman / a man / a girl …? Am I a character from a book?”).

7. Situation Puzzle – Black Stories / Laterale
Niveau: Oberstufe 
Vorbereitung: Karten mit “Black Stories” (zahlreiche Situation Puzzles oder Laterale finden sich im Internet) ausdrucken 
Übt: freies Sprechen, Fragen stellen

Die Schüler erhalten Karten, auf denen eine seltsame Situation – meist ein Todesfall – beschrieben ist. Mit Ja-Nein-Fragen müssen sie herausfinden, was passiert ist. (Für eine genauere Erklärung siehe Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Situation_puzzle).

8. Storytime – Erzählspiele (PDF mit Bilder-Spielkärtchen)
Niveau: mit unterschiedlichen Karten ab 5. Klasse
Vorbereitung: Karten mit Verben, Personen, Dingen und Orten darauf; wahlweise Bilder
Übt: freies Sprechen; ggf. bestimmte Grammatikthemen (simple past, participle constructions …); Vokabeln

Auf dem Tisch werden Karten mit Verben (“come”, “go”, “disappear” …), Personen (“the king”, “the beautiful maiden”, “the witch”), Dingen (“the magic wand”, “the cauldron”) und Orten (“the castle”, “the dark forest”, “the river”) ausgebreitet. Nun wird reihum eine Geschichte erzählt. Jeder Sprecher hat eine festgesetzte Zeit (z.B. eine Minute), um so viele der ausgebreiteten Wörter sinnvoll zu verwenden, wie er kann. Wenn er ein Wort gebraucht hat, darf er sich die Karte nehmen. Wer am Ende die meisten Karten gesammelt hat, gewinnt.

Dieses Spiel kann man zu vielen verschiedenen Themen spielen, um Vokabeln oder Grammatik einzuüben. Um z.B. Präpositionen zu trainieren, kann man auf Orts- und Zeitkarten ganze Phrasen schreiben: “at the beach”, “after school”, “in the morning”, “to Grandma’s house”.

9. Guess my sentence / Sätze raten
Niveau: ab 5. Klasse
Vorbereitung: Karten mit Fragen oder Sätzen mitbringen
Übt: Vokabeln, Redemittel verwenden, Grammatikthemen, freies Sprechen

Die Schüler bekommen Karten mit Fragen oder Sätzen darauf. Auf diese Sätze müssen sie reagieren, allerdings ohne die Begriffe aus dem Satz selbst zu verwenden. Die Mitspieler müssen nun erraten, was der ursprüngliche Satz war. Einige Möglichkeiten:

  • Guess the question: Auf der Karte steht eine einfache Frage, z.B. “Where is Ken playing football?” Der Spieler, der die Karte gezogen hat, gibt eine passende Antwort mit möglichst vielen Bestandteilen darin. “Ken is playing football in the garden.” Die anderen probieren nun alle möglichen Fragen aus (“Who is playing football?” “What is Ken doing?”), bis sie die richtige gefunden haben.
  • Advice Game: Auf den Karten stehen Probleme (“My roommate never does the dishes”), der Schüler gibt dazu passende Ratschläge, bis die anderen wissen, worum es geht. (“You should talk to him about it. Tell him that you share a flat and that he has to do some household work, too. You could give him one plate, one spoon, one fork and one knife and only let him use these so he has to clean them right after he eats.”)
  • If-Clause Game: Auf den Karten steht der erste Teil eines if-Satzes (“If I won the lottery …”, “If cats were as big as horses …”). Der Schüler vervollständigt den Satz auf verschiedene Weise (“I would travel the world and stay in expensive hotels.” / “You couldn’t keep them in your house anymore.”), bis die anderen die erste Hälfte korrekt (mit der richtigen Zeitform) rekonstruieren.

9a. What seems to be the problem?
Niveau: sehr anspruchsvoll, frühestens ab 10. Klasse
Vorbereitung: Karten mit Problemen mitbringen 
Übt: freies Sprechen, ggf. Redemittel

Eine komplexe Variation zu „Guess my sentence“, bei der auch ein wenig Rollenspiel eingemischt ist. Die Schüler erhalten Karten mit (am besten absurd-witzigen) Problemen und Personen darauf. Zum Beispiel:

Person A: A college student.
Person B: Her roommate.

The problem: The roommate was supposed to look after her friend’s hamster while she was on holiday. However, the hamster accidentally climbed into the laundry basket and ended up in the washing machine. Now the college student returns and finds out.

Zwei Spieler müssen nun spontan einen Dialog zur Situation improvisieren, ohne die fett gedruckten Begriffe zu verwenden. Die anderen Spieler in der Gruppe müssen erraten, um welche Situation und welches Problem es sich handelt.

10. The Dialogue Game
Niveau: Sehr anspruchsvoll, frühestens ab 10. Klasse 
Vorbereitung: Karten mit Sätzen mitbringen 
Übt: freies Sprechen, Strategien der Gesprächsführung

Die Schüler erhalten Karten, auf denen Sätze stehen (z.B. “Crocodiles are dangerous animals”). Ein weiterer Stapel enthält einen Gesprächsanfang, der offen hingelegt wird (z.B. “Did you watch the football match between Germany and England last night?”). Mit diesem Anfangssatz beginnen die Schüler eine Konversation mit einem Partner. Beide Schüler müssen nun versuchen, das Gespräch so zu lenken, dass sie ihren Satz logisch darin unterbringen können.

11. Who did it? A Murder Mystery
Niveau: ab 10. Klasse
Vorbereitung: keine
Übt: freies Sprechen
Zeit: 45 Min.

Ich habe dieses Spiel noch nicht selbst gespielt, aber die Idee klingt so interessant, dass ich sie hier einmal vorstellen wollte.

Der Lehrer verkündet zu Anfang den Schülern, dass ein Verbrechen begangen worden sei (welches Verbrechen, ist eigentlich egal – sagen wir, ein Bankraub). Der Kurs wird nun in Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe wird zu den Verdächtigen ernannt. Der Lehrer sagt ihnen, was ihr Alibi ist: Sie waren z.B. im Kino. Die Verdächtigen überlegen sich nun möglichst genau, wie sie den Abend (angeblich) verbracht haben wollen. Unterdessen überlegen sich die anderen Gruppen, welche Fragen man ihnen stellen könnte, um das Alibi ins Wanken zu bringen (z.B. „Which food and drinks did you order?“). Danach werden die Verdächtigen einzeln zur Befragung ins Klassenzimmer gerufen. Wenn die anderen Kursteilnehmer auf Unstimmigkeiten stoßen, wandern die Verdächtigen ins Gefängnis. Wenn ihre Versionen exakt übereinstimmen, haben sie das Spiel gewonnen.

12. Mystery box
Niveau: beliebig (je nach Adaption)
Übt: freies Sprechen
Zeit: 10-15 Min.

Auch ein toller Unterrichtseinstieg. Der Lehrer bringt eine Kiste mit Gegenständen zu einem bestimmten Thema in den Unterricht. Ein Beispiel für eine „Thanksgiving-Box“ könnte z.B. einen kleinen Kürbis, Maiskolben und einen Plüsch-Truthahn enthalten. Nun müssen die Schüler die Gegenstände betasten (nicht sehen!) und besprechen, was es wohl sein könnte. Danach überlegen sie, was das Gesamtthema der Box ist.

13. Teamwork
Niveau: Ab 8. Klasse 
Übt: freies Sprechen, Vokabeln 
Zeit: beliebig

Wie bei Tabu müssen die Spieler hier Begriffe erklären und raten. Es ist jedoch etwas komplizierter: Zwei Spieler erklären einen Begriff gemeinsam, indem sie abwechselnd ein Wort sagen. Sie dürfen sich natürlich nicht vorher absprechen und insgesamt höchstens zehn Begriffe verwenden. Ein Beispiel für das word „basket“:

Player A: Dogs
Player B: and
Player A: cats
Player B: sleep
Player A: in
Player B: it.

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